Konflikte, die den Tod überdauern und das Leben dabei klein halten. (DR)
Sie kämpfen zeitlebens gegeneinander, jede Schwester hat ihre Waffen und ihre Strategie. Da besetzen Liebhaber und Familie nur Nebenrollen, werden zu Opfern bzw. zu hilflosen ZuschauerInnen. Gleich auf der ersten Seite dieser Geschichte skizziert sich ein "Ich" als Zentrum allen Lebens, benennt seine Statisten und brilliert mit sicherer Sprache. "Mutters Schatten wurde umso größer, als sie uns verließ" verstört durch den Satzbau, der fragen lässt, ob er wohl freiwillig gewählt oder vom Lektorat einfach übersehen wurde. Doch der Sog der Geschichte lässt solche Details immer wieder vergessen, schließlich ist der Hass der Motor allen Geschehens in diesem Text, Hass als nicht lebbare Liebe oder als verbrauchte, müde gewordene Emotion. Gegenwart und Vergangenheit, Städtenamen und Kontinente fliegen an den LeserInnen vorbei, Unbekümmertheit macht sich in diesem Roadmovie breit, das doch seine ProtagonistInnen immer wieder an Land spült.
Ein interessantes Buch der 1987 in St. Pölten geborenen, bereits mehrfach ausgezeichneten Autorin, die ihren Text mit Sarkasmus würzt und das Innenleben ihrer Personen exakt auszuleuchten versteht. Gelegentlich auftretende sprachliche Unebenheiten stören den Lesefluss angesichts der prallen wie starken Erzählmotive sowie des zügigen, vereinzelt bereits atemlosen Erzähltempos kaum.
*bn* Christina Repolust
Quelle: bn.bibliotheksnachrichten