Cornelia Travnicek.

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frautravnicek: apropos thilo sarrazin - shlomo sand über das "volk israels" http://bit.ly/bWTcA6 (So, 05 Sep 2010)
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Buchkultur - Rezension

Verkorkste Geschwisterbeziehung

Ein bröselige Keks, Schokoriegel und Chips fressender arbeitsloser Psychologe auf der Rückbank. Dazu eine Promenadenmischung von Hund, lautend auf den Namen Napoleon. - Eine Verkettung von Zufällen bringt es mit sich, dass unsere Ich-Erzählerin mit den Obgenannten auf der Fahrt von Wien ins marokkanische Rifgebirge das Auto lenkt. Denn der Psychologe hat keinen Führerschein.

Das klingt doch reichlich witzig, und ist es auch. Wenn da nicht der ernste Anlass für die Reise wäre: Im Auto wird auch eine Urne mitgeführt, worin sich die Asche der Erzählerinnen-Schwester befindet. Wie die Schwestern zueinander standen, wie sie aufwuchsen, das beschreibt Cornelia Travnicek in diesem, nun ja, Episodenroman mit leichter Feder und durchaus ironischem Ton.

Der ironische Ton passt erstaunlicherweise erstklassig zur deftigen Geschichte dahinter: Schwester Nummer 1, die Erzählerin, ist die Ältere der beiden. Die Jüngere hat ihr den Freund weggeschnappt. Nicht weiter bemerkenswert, aber als der sich wieder einmal an Schwester Nummer 1 heranmachte und nicht abließ, stieß ihm diese das Gemüsemesser, das sie gerade zur Hand hatte, hinein (trat ihm außerdem ins Gemächt, sodaß er seither zeugungsunfähig). Niemanden hatte sie den wahren Grund für die Selbstverdeidigung erzählt, sie galt ab nun als eifersüchtige Fuchtel, die der Schwester die große Liebe geraubt.

Die Jüngere kehrt also Jahre später, als staubiger Inhalt einer Urne, nach Hause zurück. Dazwischen ist der Vater der beiden gestorben, der Kontakt abgerissen. Und jetzt sitzt Schwester Nummer 1 im Auto und fragt sich, ob es das ist, was sie suchte, oder alles nur ein komischer Traum.

Schließlich gelangen die drei, nach mehreren Zwischenfällen, Erlebnissen und einsilbigen Gesprächen, ins Zielgebiet. Verteilen die Asche in der heißen Steinwüste, der Hund gibt seinen Geist auf und wird gleich mitentsorgt ("Ist vielleicht besser so", meint der mitfühlende Psychologe schluchzend). Erleichtert ob des vollbrachten Auftrages gehen die beiden Hinterbliebenen was essen, ordentlich einen trinken und schließlich miteinander ins Bett. Dann fahren sie wieder zurück, und vielleicht bleiben sie zusammen, vielleicht nicht, das ist nicht weiter wichtig.

Wichtig aber ist, dass der Autorin ein kleines Kunststück gelang: Die Aufzeichnung einer ziemlich verkorksten Geschwisterbeziehung, ohne Bitterkeit und Moralkeule, doch mit viel Witz und Detailfreude geschrieben. Aus vielen Puzzleteilen fügt sich schließlich ein gelungenes Bild - ein Stück Alltagsleben, das ohne Schielen auf extreme Bilder und vertrackte Einfälle von Cornelia Travnicek aufgezeichnet wurde. Dafür bleibt einem beim Lesen oft nichts anderes übrig, als still in sich hineinzugrinsen. Was kann man über ein Buch besseres sagen, als dass es einen dazu anregte!

 

Buchkultur Oktober/Novemer 2008